Finanzielle Unterstützung bei Borkenkäferbefall

Ein Artikel von Günther Jauk (für derwaldbauer.at bearbeitet)

Die Sofortmaßnahme „Wiederaufbau und Pflege des forstwirtschaftlichen Potentials“ bringt den österreichischen Waldbauern 1 € pro gepflanztem Baum nach borkenkäferbedingter Zwangsnutzung.

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) hat gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) eine Sofortmaßnahme mit dem Titel „Wiederaufbau und Pflege des forstwirtschaftlichen Potenzials“ erarbeitet. Diese soll die durch die Klimaverschlechterung in Existenznot geratenen Waldbauern mit einer gezielten Unterstützung dazu motivieren, dringend notwendige Arbeiten zur Aufforstung und weiteren Pflege dieser Flächen durchzuführen, heißt es auf der Homepage des Ministeriums.

Konkret soll nach borkenkäferbedingten Zwangsnutzungen für die Pflege der neu aufgeforsteten Wälder 1€ je gepflanztem Baum angerechnet werden. Gelten soll die Maßnahme auch rückwirkend für Aufforstungen in den Jahren 2018 und 2019, wobei Ergänzungsanträge zu stellen sind. Die Maßnahme soll ab Oktober 2019 wirksam werden.

Die dafür aufgewendete Gesamtsumme hängt davon ab, in welchem Umfang diese Sofortmaßnahme von den heimischen Waldbauern in Anspruch genommen wird. Schätzungen liegen derzeit bei bis zu 20 Mio. €, wobei noch nicht absehbar ist, wie sich die Borkenkäfersituation in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird.

Fördermaßnahmen sind wichtiger Schritt

Die Land&Forst Betriebe Österreich begrüßen die Sofortmaßnahme „Wiederaufbau und Pflege des forstwirtschaftlichen Potenzials“. „Diese Hilfe ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen unsere Waldbesitzer ermutigen und dabei unterstützen, borkenkäferbefallene oder nach einem Extremwetterereignis viel zu früh geerntete Bäume und Waldabschnitte wieder aufzuforsten und zu pflegen“, sagt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Das Erste-Hilfe-Programm des Bundesministeriums sei sehr wichtig, es bedürfe aber noch weiterer Schritte, um die vielfältigen Waldleistungen für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft für die nächste Generation aufrecht zu erhalten. „Es braucht mutige Weichenstellungen in der Energiepolitik, eine Umstellung auf Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. Die Forschung und Züchtung von klima- und schädlingsresistenten Pflanzen sowie die Entwicklung und Zulassung von ökologisch verträglichen Bekämpfungsmaßnahmen gegen Schadorganismen müssen ebenso weiter vorangetrieben werden“, meint Montecuccoli. Zudem seien weitere politische Maßnahmen, wie die Anpassung des Forstgesetzes und die Zulassung befristeter Rodungen für alternative Nutzungsmöglichkeiten in den Schadgebieten, notwendig. Außerdem müsse die Gesellschaft mithelfen, den Klimawandel zu bremsen. Das bedeutet für jeden Einzelnen: auf heimische Rohstoffe wie Holz setzen, Holzbau forcieren, auf erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Biomasse umsteigen und Müll, vor allem Plastikmüll, vermeiden.